Freilernen

Freilernen ist zunächst einmal davon gekennzeichnet, dass ein Kind nicht in einer Schule lernt. Dies ist in Deutschland seit 1938 (aus nahe
liegenden Gründen) illegal. Im Rest von Europa und fast allen anderen freien Ländern dieser Erde ist es erlaubt  und wird sogar teilweise staatlich gefördert (wie in Kanada)!
Freilernen hat viele Namen: Unschooling, Homeschooling, Hausunterricht, usw. Für mich ist der Aspekt, der im Wort Freilernen betont wird, der, der am ehesten trifft, was ich meine. Ein Lernen frei von Zwang, Druck, Erwartungen, Institution… Ein Lernen, das durch den schützenden Raum und Rahmen, den die Eltern ihrem Kind ermöglichen, geschehen kann. Die Entfaltung des Potentials des Kindes. Dabei sehe ich die Eltern (auch wenn sie manchmal meinen, sie würden „nichts“ tun) wie die ökologisch orientierten Gärtner, die der Pflanze – ihrem Kind – genügend Sonne, Freiraum, sie selbst zu werden, Wasser, Nährstoffe und Schutz bieten, damit es sich möglichst ungestört entwickeln kann. Denn die Früchte kommen nicht davon, dass man an der Pflanze zieht, dass man ihr sagt, sie solle Früchte bilden, sondern sie kommen dann von selbst, wenn die Bedingungen günstig sind. Natürlich spreche ich nicht davon, zu düngen, den Boden zu zerstören und auf möglichst große Pflanzen und Riesenfrüchte zu setzen. Sondern die Bedingungen, die dazu führen, dass die Früchte im besten Sinne reifen, Samen bringen und selbst nährend wirken.

Ich selbst bin sozusagen ganz intutiv zum Freilernen gekommen, ohne zu wissen, dass es so etwas gibt. Ich habe mit 15 Jahren die Schule verlassen und mir ein Jahr lang das gesucht, was mich interessiert hat. Ich habe Kontakt gesucht, oder es kam zu mir, zu Erwachsenen, die das konnten, was ich lernen wollte. Ich habe Kurse belegt, Sport getrieben, Musik gemacht, mich sozial engagiert und war in England, Holland und Frankreich unterwegs – habe mir eine demokratische Schule angeschaut, mein Englisch und Französisch vertieft. Danach habe ich mich, auch mit der Unterstützung meiner Familie und vieler Erwachsener in meinem Umfeld, eigenständig auf die Schulfremdenprüfung zur Erlanung des Abiturs vorbereitet und dieses im Jahr 2007 absolviert.

Aufgrund behördlicher Zwänge bin ich auf die Clonlara-Schule gestoßen, eine Schirmschule aus den USA, die Freilernen ermöglicht. Dort habe ich mich angemeldet und bin dann auch einige Monate als informelle Mitarbeiterin dort tätig gewesen. Zwischen 2008 und 2014 war ich als Lektorin an den Büchern zum Thema Bildungsfreiheit im Genius Verlag beteiligt.

Ich habe 2008 eine Bildungsfreiheitskonferenz in Berlin mitorganisiert, war als Assistentin bei der Global Homeeducation Conference 2012 in Berlin tätig und beim Onlinebildungskongress 2016 Expertin.

2012 habe ich zwei Bücher veröffentlicht – „Freilernbildung. Wie Homeschooling gelingt“ (aktualisiert 2016, amazon Kindle E-Book) und „Abschlüsse ohne Schulbesuch“ im Autumnus Verlag.

Auf Anfrage biete ich Vorträge zum Thema Bildungsfreiheit an und moderiere Filmaufführungen des Filmes Being and Becoming von Clara Bellar.

Der Neufeld-Ansatz, meine weitere wichtige Säule, bietet aus meiner Sicht eine wunderbare Basis, um zu verstehen, was Kinder wirklich brauchen und wie ihre Eltern der sichere Hafen sein können, der Boden, in den die Pflanze ihre Wurzeln senken kann, um dann zu wachsen und zu erblühen. Denn Neugierde, Lernen, die Welt entdecken, kommt ganz von selbst, doch nur dann, wenn das Kind satt ist und sich geborgen fühlt. All das kann ein liebevolles, geborgenes Zuhause einem Kind bieten, eine Basis sein für seine Entdeckung der Welt.

In vielen Studien (hier auch) konnte der Vorteil des Freilernens auf allen Ebenen – kognitiv, emotional, intellektuell und sozial, auch langfristig betrachtet, gezeigt werden. Leider beeindruckt dies die deutschen Behörden bisher noch nicht. Ich hoffe, dass sich diesbezüglich bald eine Trendwende ergibt, damit die, die es für sich als den besten Weg sehen, auch so leben können, ohne dafür ihre Heimat verlassen zu müssen!